Was sind eigentlich Medien?

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Medien sind allgegenwärtig, egal ob zu Hause, auf der Strasse, im öffentlichen sowie im privaten Raum. Oft ist die Rede von „den Medien“ oder im Kontext von Medienpädagogik hält sich nach wie vor der Begriff „Neue Medien“, auch wenn die damit gemeinten Medien, von Video bis hin zum Internet, gar nicht mehr so neu sind, sich allerhöchstens immer wieder in Form von neuen Anwendungen oder Geräten präsentieren. Auch der Berufswunsch vieler Jugendlicher hat „irgendwas mit Medien“ zu tun. Der Begriff Medien erscheint unter dieser kurzen Betrachtung eine inflationärer Anwendung zu finden. Alle sprechen darüber, aber was sind denn Medien nun genau?

Medien im Wandel der Zeit

Die Technologien, insbesondere das Internet und der Computer, haben die Medien in ihrer Form und Inhaltsausgestaltung stark verändert. Medien nicht mehr länger auf einen Träger angewiesen. Ein Paradebeispiel ist die Entwicklung der Musikindustrie. Die Musikindustrie konnte lange Zeit davon profitieren, dass die Nutzer darauf angewiesen waren einen Tonträger zu kaufen. Mit der Entwicklung des Computers und insbesondere der MP3-Kompressions-Technologie wurde dies hinfällig. Musik ließ sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts verlustfrei kopieren und verteilen. Darauf aufbauend entwickelten sich die Tauschbörsen. Die Musikindustrie ging gegen diese Entwicklung mehr oder weniger erfolgreich vor, aber die trägerlose Distribution ist letztendlich geblieben und wird mittlerweile von der Musikbranche selber genutzt. Dieser Trend wird sich wahrscheinlich auch noch auf andere Medien auswirken bzw. ist schon im Gange, wie man das am Beispiel des Buch- oder Zeitungsmarkts beobachten kann.

Medien waren zu dem lange Zeit statisch. Menschen konnten eine Radiosendung,  ein Fernsehprogramm empfangen oder eine Zeitung kaufen. Über einen unmittelbaren Rückkanal verfügten diese Medien aber nicht. Die Etablierung des Internets machte die Etablierung eines Rückkanals möglich (vgl. auch Radiotheorie) . Das klassische Radio ist heute zwar immer unidirektional. Das Internet hat diese klare Teilung zwischen Sender und Empfänger aber nachhaltig aufgebrochen. Es gäbe kein Wikipedia ohne die Beteiligung durch deren Nutzer, Facebook wäre vollkommen inhaltslos usw. Das Web baut darauf, dass die Grenze zwischen Empfänger und Sender nicht klar geregelt sind.

 

Medien als Organerweiterung

Medien gibt es schon seit Menschengedenken und eine neuzeitliche Entwicklung hin zu einer modernen Gesellschaft wäre ohne sie gar nicht möglich gewesen. Wenn man die Frage „Was sind Medien?“ einmal entkoppelt von aktuellen technischen Entwicklungen lässt sich vor allem herausstellen, dass sie den Menschen dabei geholfen haben, ihre eigenen Mängel zu überwinden.

Betrachtet man nämlich den Wirkungskreis des Menschen, so muss man schnell feststellen, dass dieser nur sehr beschränkt ist. Gesprochene Sprache ist nur im Moment ihrer Produktion und Rezeption gegenwärtig. Sie ist danach unwiederbringlich verloren. Um diese zu konservieren brauchte es ein geeignetes Medium, dass bis heute die Schrift darstellt. In der neueren Zeit sind dann noch die Möglichkeit der Sprachaufnahme hinzugekommen, die es tatsächlich ermöglichen, Sprache festzuhalten. Ebenso verhält es sich mit dem Sehsinn. Die wahrgenomme Landschaft oder Szene ist nur für den Moment da. Durch die Entwicklung der Fotokamera wurde es schließlich möglich einen Ausschnitt eines Sinneseindrucks festzuhalten. Es finden sich noch viele weitere Beispiele, die diese Organüberbiertung der Medien deutlich machen.

Medien versus primäre Erfahrungen

Wenn man sich vor Augen führt, dass Medien eine Erweiterung der Sinnesfähigkeiten darstellt, dann muss man sich natürlich auch fragen, wie es um die Qualität der gelieferten Sinneseindrücke bestellt ist. Auf der einen Seiten ist die Manipulation der Medien eine Kunstform, man denke hier nur an Kunstphotografie und andere künstlerische Darbietungen. Auf der anderen Seite laufen wir Gefahr, dass primäre Erfahrungen durch mediale Erfahrungen verklärt werden. Die medialen Erfahrungen werden immer raffinierter in ihrer Abbildung einer Wirklichkeit, aber sie können die direkte Erfahrung nicht ersetzen. Auf der anderen Seite ermöglichen Medien aber auch die Teilhabe an Geschehen, wie z.B. aktuelle politische Ereignisse, die ohne Video, Fotos und Tonaufnahmen nur schwer möglich wären.

Was bleibt?

Natürlich ist es wichtig, dass man über Medienkompetenzförderung nachdenkt. Auf der anderen Seite kann die geforderte kritische Haltung und Bewertung gegenüber Darstellungen in und durch Medien nur dann gelingen, wenn Menschen den medialen Erfahrungen auch eigene, selbstgemachte Erfahrungen gegenüber stellen können. Das spricht somit gegen eine einseitige technikzentrierte Medienarbeit. Der Umgang mit Medien muss sinnvoll in ein Gesamtkonzept eingebettet sein, dass sowohl Raum für eigene Sinneserfahrungen bietet, aber auch Raum für mediale Erfahrungen bietet.

 

Links:

Annette Vowinckel, Mediengeschichte, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 11. 2.2010
URL:https://docupedia.de/zg/Mediengeschichte?oldid=75527

 

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Über Johannes Klas

Jahrgang 1980, Studium der Sonderpädagogik an der Universität zu Köln. Tätigkeiten als freier Dozent im medienpädagogischem Bereich unter anderem für die SK Stiftung Jugend und Medien in Köln, seit 2012 Förderschullehrer an der Lindenschule in Aachen und an der Maria-Montessori-Gesamtschule Aachen.

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