Digital Storytelling als Baustein für eine inklusive Medienbildung


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Die Schullandschaft in NRW erfährt derzeit einen nachhaltigen Umbau. Mit dem am Ende des Jahres 2013 verabschiedeten Schulrechtsänderunsgesetz soll die Inklusion in Schulen umgesetzt werden. Auch in der Medienbildung etabliert sich immer mehr der Begriff der inklusiven Medienbildung. Es sind aber nicht nur die gesetzlichen Bedingungen bedeutsam, damit Inklusion gelingen kann, sondern auch verschiedene praktische Methoden. Digital Storytelling kann hier einer von vielen kleinen einzelnen Bausteinen für eine inklusive Medienbildung sein.

Die Methode Digital Storytelling bietet eine Vielzahl von Vorzügen und lässt sich in verschiedenen individuell angepassten Abstufungen umsetzen. Diese Anpassungen können sowohl von der Form als auch vom Inhalt her vorgenommen werden. Eine  „Digital Story“ kann von einer einfachen Dia-Show bis hin zu einer komplexen Produktion reichen. Ursprünglich als Methode zur Erzählung von  autobiographischen Erlebnissen bieten sich aber auch Sachthemen an, wie zum Beispiel die Darstellung eines Experimentes im Physikunterricht.

Das Bild als Transportvehikel
In Digital Storytelling spielt das Bild ein zentrale Rolle. „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ unterstreicht als Metapher, mit Bildern mehr auszudrücken zu können als es einzelne Worte können. Diese Metapher kann im Zusammenhang mit Digital Storytelling in gewisser Weise auch umgekehrt werden: Mit einem Bild können narrative Erzählungen evoziert und unterstützt werden. Das Bild provoziert im weitesten Sinne, den kurzen Moment auf dem Foto narrativ fortzuführen. Ein Foto unterstützt beim Betrachter die eigene Imagination und kann zu verschiedenen Fragestellungen führen: Was geschah davor? Was geschah danach? Welche Bedeutung hat das für mich? Es wird eine Verbindung  zwischen dem zu sehenden Ereignis auf dem Bild und der persönlichen Bedeutung geschaffen. Dies ist gerade für die Gruppe Menschen von Bedeutung, die Schwierigkeiten haben, sich sprachlich mitzuteilen. Die Bilder helfen ihnen, eine Geschichte erst überhaupt erzählen zu können.

Medientechnik, eine Hürde?
Wie so viele Medienprojekte wird hier ein gewisses Maß an technischem Verständnis vorausgesetzt. Arbeit mit Medien bedeutet aber auch immer, dass die Lesekompetenz vorhanden ist. Die meisten Programme verwenden neben Symbolen in den Steuerungsmenüs auch Text. Medienkompetenz und Lesekompetenz sind eng vernetzt. Das sind oftmals Gründe, die ein Medienprojekt mit Menschen mit Behinderung als unmöglich erscheinen lassen, da eine adäquate Bedienung nicht gewährt ist. Melanie Schaumberg hat sich mit dieser Fragestellung auseinander gesetzt und führt in ihren Ausführungen zur medienpädagogischen Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung die Methode der „Leicht zurückweisbaren Angebote“ und der Assistenz an  (vgl. Schaumberg 2010). „Leicht zurückweisbare Angebote“ meint die Unterstützung von kreativen Prozessen durch Angebote und Hilfestellungen. Die Assistenz soll die Lücke zwischen Bedienung und Umsetzung schließen. Dem Nutzer werden Vorschläge gemacht, zum Beispiel welche Musik im Film unterlegt sein soll. Eigene ästhetische Vorstellungen seitens der Assistenz müssen dabei in den Hintergrund gestellt werden. Diese Assistenz muss nicht durch einen Pädagogen erfolgen, sondern kann auch durch eine Person aus der Arbeitsgruppe gegeben werden. Dabei ist es wichtig im Vorfeld in der Arbeitsgruppe zu klären, dass unter der Assistenz nicht ein Helfen verstanden wird im Sinne einer Arbeitserleichterung und Aufgaben zu übernehmen bzw. abzunehmen.

Inklusiv
Digital Storytelling kann inklusiv sein, weil Menschen mit Behinderung ermöglicht wird für sich eine Öffentlichkeit herzustellen. Diese Öffentlichkeit kann zu einem Austausch führen, welcher den Prozess der gegenseitigen Wertschätzung  und des Dialogs fördert. Die Methode kann auch inklusiv sein, indem Menschen mit und ohne Behinderung zusammenarbeiten können. Digital Storytelling kann auch inklusiv sein, weil es den Nutzern durch die Vernetzung von Wort und Bild hilft sich unabhängig von ihren Schreib- und Sprechfähigkeiten in einer adäquaten Weise ausdrücken zu können.

Ein solches inklusive Projekt bedarf einer ausführlichen Planung:  Zusammenarbeit ist immer ein schwieriger Prozess, deren Probleme sich im Beruf, Schule aber auch im privaten Bereich immer wieder zeigen. Diese Herausforderung eröffnen aber zu gleich auch Lernchancen. Gerade wenn man den Fokus auf die Prozessorientierung legt, bestehen hier große Lernchancen im Bereich der sozialen Kompetenz, die über das reine Bedienen von Programmen und Geräten hinausgeht.

Digital Storytelling kann Menschen zusammenbringen, ihnen ein sprachliche Mittel in die Hand geben, die über das Verwenden von Worten hinausgehen. Zu dem bietet die Methode einen großen Spielraum für Individualisierungen und bietet daher die Chance, auf individuelle Voraussetzungen einzugehen. Unter diesen Gesichtspunkten betrachtet, kann Digital Storytelling ein kleiner Baustein für das große Vorhaben Inklusion sein.

Links
Schaumburg, Melanie: Medienpädagogische Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung – Eine methodische Anleitung für die Praxis, in:  Heilpädagogik online 01/ 10, 2010,  http://heilpaedagogik-online.com

Nimm! Netzwerk Inklusion und Medienbildung http://www.inklusive-medienarbeit.de

Center for Digital Storytelling http://storycenter.org/

IM BLICKPUNKT digital storytelling http://www.grimme-institut.de/

Beispiele für Digital Storytelling im schulischen Bereich
Die Klassen 4 einer Sprachheilschule berichten über ihre Klassenfahrt.
http://www.lindenschule-aachen.de/2013/12/klassenfahrt-der-klasse-4/

Erstklässler sprechen über ihre ersten Schulerfahrungen.
http://www.lindenschule-aachen.de/2012/09/die-ersten-zwei-wochen/

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